Weiter geht es mit einem Bericht über fünf Tage auf Hainan :-)
Nach fünf Tagen in Shanghai sind Jan und ich weiter nach Hainan geflogen. Hainan ist eine Insel südlich von China, welche oft auch "Chinas Hawaii" genannt wird. Bekannt ist die Insel für weiße Sandstrände, Palmen und subtropisches Klima. Wir sollten Hainan auf eine andere Art und Weise kennenlernen...
Als wir ankamen, goss es in Strömen und die gesamten Straßen waren überflutet. Wir dachten uns noch nichts schlimmes und suchten helle Flecken am Himmel, um uns auf die Sonne freuen zu können. Doch der Regen hörte nicht wirklich auf. So beschlossen wir nach Einrichtung in unserem Hostel uns erst einmal um unser Weiterreise am nächsten Tag zu kümmern. Geplant war weiter Richtung Westen in den Regenwald zu fahren, um von dort aus in die Inselmitte in die Berge zu reisen, dann die Ostküste zu besichtigen (sehr berühmt für wunderbare Küsten und Landzungen) und von dort dann schließlich weiter nach Haikou im Norden zu fahren, von wo unser Rückflug nach Shanghai bzw. Peking gehen sollte.
Die Bustickets zu unserem ersten Ziel bekamen wir auch ohne Probleme. Na gut, etwas schwer war es schon, weil es auf Hainan überhaupt gar keine lateinischen Buchstaben gibt, sondern wirklich ALLES auf chinesisch ist und dort auch keiner Englisch kann. Doch mit ein paar Schlüsselwörter aus dem Chinesischen, Bildersprache sowie der Stadt in chinesischen Zeichen gelangten wir zu unserem ersten Busticket. Diese Chance wollten wir nutzen und wollten auch gleich das Folgeticket kaufen, um vom Westen in die Berge fahren zu können. Das erwies sich schon als schwieriger, aber mit lauten Rufen in den Busbahnhof rein, erschien irgendwann eine Frau, die etwas Englisch konnte und uns so weiterhalf. Trotzdem bekamen wir am Ende ein falsches Ticket, was wir aber es später merkten. Also planten wir um... Wir ließen den Regenwald Regenwald sein und wollten direkt an die Ostküste fahren, da dort schönes Wetter vorausgesagt war.
Zurück also zum Busbahnhof und versuchen, ein Ticket zu bekommen. Beim Nennen unser Wunsch-Ankunftsstadt bekam die Verläuferin allerdings nur große Augen und wiederholte immer wieder "Mei you mei you" (kein kein). Wir verstanden nur Bahnhof - wir waren uns sicher, dass Busse fuhren und es konnten doch nicht alle ausgebucht sein! Irgendwann erschien ein junger Chinese an unserer Seite, der den Dolmetscher spielte: In den Osten könne man momentan nicht fahren, sagte er, kein Bus gäbe es. Warum, wollten wir wissen und es kam die ernüchternde Antwort, dass der strömende Regen von heute schon seit Tagen andauerte und das größte Unwetter seit 60 Jahren auf Hainan darstellte. Alle großen Zugangsstraßen zum Osten wären überflutet, die Dörfer unpassierbar. Aha, darum also kein Bus!
Ein Anruf bei unserem im Voraus gebuchten Hotel bestätigte alles. Wir könnten ohne Probleme stornieren, hieß es. Wenn wir gerade einen Platz mit Dach überm Kopf und Essen hätten, sollten wir auch lieber dort bleiben, als versuchen, doch irgendwie an die Ostküste zu gelangen, erklärte uns die Hotelbesitzerin. Sie sei die letzten zwei Tage von der Außenwelt abgeschnitten gewesen....!!
Gut, was jetzt? Wir beschlossen einen weiteren Tag in unserer weniger schönen Ankunftsstadt Sanya zu verbringen, da der Regen auch etwas nachließ. Wir ließen uns zum Strand der fünf Sterne Hotels, 15 km außerhalb der Stadt fahren und verbrachten dort unseren zweiten Tag. Es regnete fast gar nicht und durch das durchgehend subtropische Klima wurde einem auch nicht kalt. Sogar im Meer haben wir gebadet :-)
Nach dieser Ausweichmöglichkeit setzen wir am dritten Tag dann doch einen Teil unseres Planes um und fuhren in die Inselmitte, mitten in die Berge. Ein Traum!! Unser Hotel lag am Stadtrand der kleinsten Stadt chinas und wir konnte zu Fuss eine Lehmstraße mitten in die Dörfer und Reisterrassen von Hainan hinunter laufen. Es war wundershcön, sehr idyllisch, aber auch sehr realistisch. Wir wurden von den Kindern belagert, die uns immer wieder zuriefen und sich sehr freuten, wenn wir ihnen zuwinkten. Sie wirkten glücklich und zufrieden, was mich sehr beruhigte. Wir hatten in Sanya zuvor schlimmere Armut gesehen: Kinder, die auf alten vergammelten Kuttern unter Brücken lebten und barfuss durch den Schlammfluss liefen, um am Ufer etwas Trinkwasser zu holen. Traurig sahen sie aus...
So erfreute mich dieser Anblick umso mehr und es war toll, die Kinder sich so freuen zu sehen! Wir liefen gute 1,5 Stunden die Straße entlang und danach dann alles in die Stadt zurück. Dort ging es weiter ins Stadtzentrum und rein in die immense, aber doch verlassen wirkende Universität. Das Gebäude war ursprünglich als Regierungsgebäude gedacht und in einer derart angemessenen Größe gebaut worden. Die Regierung wurde nur sehr schnell vom Kommunismus gekippt und so bekam die Uni das Gebäude, welches auf einem Berg über der Stadt liegt. Von dort liefen wir eine immer schmaler werdene Betonstraße hinauf, die uns in den wirklichen Regenwald führte. Überall Schmetterlinge, Palmen, viel Grün und Bananenbäume. VOm Weg führten Trampelpfade zu kleinen Hütten, in den Menschen wohnten. Eine ungewohnte und sehr spannende Atmosphäre.
Wir genossen nach der Wanderung abends ein leckeres Essen im Hotel und machten uns an unserem vierten Tag auf nach Haikou. Auch hier eine sehr hässliche Stadt (wie Sanya auch schon) - es lohnt sich wirklich nur die Küste bzw. die Regenwälder im Inselinneren. Doch die Altstadt von Haikou war spannend: Viele europäische Bauten, teilweise sehr verfallen, welche gut für eine Filmkulisse gedient hätten. Wir schauten uns das Viertel abends an und fuhren mit einer Rikscha nach Hause - toll diese Dinger :) !
Abends aßen wir eine nach Landesart speziell zubereitete Ente und Fische, die sehr lecker waren. Ein toller Abschluss!
Nach der vierten Nacht hieß es dann auch schon wieder Abschied nehmen von Hainan und voneinander. Doch wir hatten zehn wunderbare Tage und haben viel erlebt!
Der nächste Trip ist Mitte November geplant: Dieses Mal geht es nah Guilin...
Ansonsten werdet ihr jetzt nicht mehr jedes Wochenende von mir hören, da uns das normale Leben und vor allem auch das Arbeitsleben hier eingeholt hat und wir so an manchen Wochenende auch einfach mal nichts machen, außer schlafen, ausruhen und etwas in der Stadt rumzulaufen. Ich halte euch aber trotzdem auf dem Laufenden - es wird schon noch einiges zu berichten geben.
Als letzter Satz nun der Hinweis, dass ich schon Halbzeit habe. Die Zeit verfliegt hier!!!
Ich grüße euch alle herzlich! Bis bald, eure Anna
PS: Fotos folgen ein anderes Mal.